So kam ich zum Hobby

Die Anfänge bei Rainer Hille

Rainer Hille
Rainer Hille

Der Sport hatte mich von der Kinderzeit an fasziniert. So besuchte ich Sonntags immer die Kreisklassenspiele bei Fortschritt LWK oder, durch den Standort des elterlichen Schrebergartens, die Fußball- und Feldhandballspiele von Lok Mitte auf dem nicht mehr existierenden Platz in der Löbauer Straße. Ab 1960 fuhr ich dann auch zu den Oberligaspielen vom SC Lok in das Stadion des Friedens, gelegentlich auch zum SC Rotation oder zur DDR - Liga vom ASK Leipzig. Da bei den Kreisklassenspielen ständig die Linienrichter fehlten, griff ich öfter zur Fahne. Bemerkenswert dabei eine Episode mit 12 Jahren. Ich winkte bei einem Spiel von Lok Mitte gegen die russische Mannschaft vom Werk Roter Stern. Ein Strafstoß wurde an die Latte geschossen und der gleiche Spieler schoss den Nachschuss ohne Zwischenberührung ins Tor. Der Schieri, ein erfahrener älterer Herr, gab Tor. Ich rannte aber wild mit der Fahne winkend auf das Spielfeld, um ihm den Fehler anzuzeigen. Das Ergebnis war, dass man mich gleich zu einem Schiedsrichterlehrgang schickte und ich fortan bereits mit 12 Jahren Nachwuchsspiele pfiff. Bis zur Wende leitete ich Spiele im Kreis, danach im Volkssportbereich, wo ich auch heute noch als Staffelleiter tätig bin. Aktiv kegelte ich noch von 1963 - 1974 bei Dynamo, später bei Traktor Leipzig. Als Kind versuchte ich mich auch einige Jahre bei Motor Mockau im Faustball.

 

Seit der Umstrukturierung des Leipziger Fußballs 1963 besuchte ich nahezu alle Heimspiele meiner Chemiker. So lag es nahe, dass ich mir 1966 vor dem Europapokalspiel gegen Standart Lüttich das öffentliche Training anschaute. Nach dem Spiel war es damals kein Problem, im Tunnel des Zentralstadions die Autogramme zu sammeln. Nebenbei wurde mir noch eine Nadel und ein Wimpel zugesteckt. Dann kam Benfica Lissabon und die Nationalmannschaft von Holland. Ich fuhr mit dem Fahrrad zum alten Mockauer Flughafen. Als mich dort der Zoll fragte, was ich wollte und ich ehrlich antwortete, wurde ich direkt nach der Ausweiskontrolle platziert und jeder Spieler musste beim durchlaufen erst einmal bei mir unterschreiben. Dabei hatte ich sogar ein „Westbuch“ mit, dass allseits bekannte „Aral - Fußballalbum“, wo ich Eusebio und c/o unterschreiben ließ.

Ich fand das später noch bemerkenswert, da ja der DDR - Zoll nicht den besten Ruf hatte.

 

Der Anfang bei der Sammlung im Jahre 1967
Der Anfang bei der Sammlung im Jahre 1967
1971 war die Nadelsammlung schon auf 5000 Embleme angewachsen
1971 war die Nadelsammlung schon auf 5000 Embleme angewachsen

Bei den nachfolgenden ersten Sammleraktionen am Hotel „Astoria“ lernte ich auch den leider so früh verstorbenen Bernd Stelzner aus Schkeuditz kennen. Mit seinem Trabi oder dem Zug unternahmen wir in der Folge sehr viele Fahrten zu den Europapokalspielen in Berlin, Magdeburg, Dresden, Jena oder Zwickau. Früh wurden am Hotel die Autogramme und Nadeln gesammelt, dann das Spiel angeschaut.

Unmittelbar, bevor ich im Frühjahr 1968 meine 18 Monate Militärdienst antreten musste, begab ich mich zur ersten Auslandsfahrt. Ziel war Prag, dort gastierte Real Madrid. Erlebnisse der besonderen Art, heute nie mehr möglich, sind für mich unvergessen.

Ich war der einzige Sammler in einem Hotel am Wenzelsplatz. Da lud mich der Präsident Santiago de Bernabeu, nach welchem das Stadion benannt ist, zum Kaffee ein. Ich bekam alles an Souvenirs sowie eine Eintrittskarte und alle Spieler wurden zum unterschreiben an den Tisch geholt. Nach dem Spiel konnte ich mich unbehelligt in die Schiedsrichterkabine begeben. Noch heute ist die Widmung des deutschen Schiedsrichterteams für mich ein wichtiges Andenken.

 

Dann kam das UEFA - Turnier. Zusammen mit Jochen Brömel und anderen Sammlern standen wir täglich vor dem Hotel „Astoria“. Unser Ziel, von allen 16 Teams die Autogramme komplett sowie die Verbandsnadeln zu bekommen, wurde erreicht. Bis zu dieser Zeit waren die Sammleraktivitäten auf Fußball beschränkt.

 

Danach fand ich auch Geschmack an den anderen Sportarten. Also legte ich dort so richtig per Post oder persönlichen Veranstaltungsbesuchen los.

 

Es kamen Anfragen zu diversen Ausstellungen. Zunächst im Betrieb, Sportverein oder bei Wohngebietsfesten im kleinen Rahmen. Dann kamen die LVZ - Pressefeste, im Sportmuseum oder im Fernsehturm Berlin.

 

mit der DDR-Juniorenauswahl 1969; v. links: Dörner, Kurbjuweit, Achtel, Mosert, Müller, Pommerenke, Enge u. Keipke
mit der DDR-Juniorenauswahl 1969; v. links: Dörner, Kurbjuweit, Achtel, Mosert, Müller, Pommerenke, Enge u. Keipke

Höhepunkte waren sicher der Auftritt im DDR - Fernsehen bei der Sendung „Aha“, der Besuch beim IOC in Lausanne oder die umfangreichen Ausstellungen im Paunsdorf - Center sowie bei 100 Jahre DFB im Gasometer von Oberhausen. 

zu Besuch beim IOC in Lausanne, in der Bildmitte Präsident Samaranch
zu Besuch beim IOC in Lausanne, in der Bildmitte Präsident Samaranch
Der IOC-Präsident gibt Autogramme
Der IOC-Präsident gibt Autogramme

Leipzig war aber auch Ausrichter zweier europäischer Hobbybörsen.

Das Treffen der DSS (Deutsche Stadionansichtskarten Sammler) fand im Alfred-Kunze Sportpark in Leutzsch statt. Dabei fehlte natürlich auch ein Besuch im Zentralstadion nicht, was es als solches ja nicht mehr gibt.

 

Das andere große Treffen fand 1999 in der Sportschule „Egidius Braun“ in Abtnaundorf statt.  

Etwa 100 Teilnehmer aus Europa fanden dort beste Bedingungen vor und tauschten dabei Abzeichen. Dieses war das Jahrestreffen der „IG der Sammler von Fußballemblemen in Europa“.   

 

Die Teilnehmer des IG - Treffens vor der Sportschule
Die Teilnehmer des IG - Treffens vor der Sportschule